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29.10.14

Sarah Gold

Blinzle bitte einmal

 

Als Sarah Gold* uns vor einigen Wochen ihren Besuch auf der Frankfurter Buchmesse ankündigte, waren wir sehr gespannt auf die Frau, deren Geschichte uns bereits aus ihrem Buch "Blinzle bitte einmal" vertraut war. Frau Gold beeindruckte uns im Gespräch mit ihrer offenen, sympathischen Art und gab uns viel Stoff zum Nachdenken – über Beziehungen, Tod und Leben und darüber, was im Leben wirklich bedeutsam ist. Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Frau Gold viel Erfolg bei der kommenden Lesung.

Am 12. November 2014 findet die Lesung von „Blinzle bitte einmal“ im Rahmen der Ausstellung 30 Tage Kunst in Berlin statt. Um die Anonymität der Autorin zu wahren, wird das Buch von dem Schauspieler Hans Brückner vorgestellt, der dem Publikum aus zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen (ARD, ZDF, RTL) bekannt ist.

Weitere Informationen zur Lesung finden Sie hier:

www.30tagekunst.de

*Pseudonym der Autorin

 Frau Gold, wie kamen Sie zum Schreiben?

Ich schreibe, seit ich schreiben kann. Für mich bedeutet Schreiben Frust ablassen, verarbeiten, nachdenken, anregen. Darum schreibe ich auch genau, was ich denke – ich schreibe für mich, nicht für ein Publikum. Auch wenn ich damit manchmal anecke. Angefangen habe ich wie viele, mit einem klassischen Tagebuch, das war noch so eines zum absperren. Später kamen dann Geschichten dazu und 2005 mein erster Blog. Seit 2012 führe ich meinen Blog „Blinzle bitte einmal“, der die Vorlage für mein Buch wurde.

 Was war Ihr Traumberuf in Ihrer Kindheit?

Kurz und knapp: Tierpflegerin.

 Haben Sie bestimmte Rituale, wenn Sie schreiben?

Ich schreibe eigentlich immer zuhause an meinem Schreibtisch im Büro. Bevorzugt am Abend, tagsüber gibt es in der Regel andere Dinge zu tun. Natürlich kommt es vor, dass ich mir zwischendurch auch einmal von Hand Notizen mache, wenn ein Gedanke mir brennend wichtig erscheint. Ansonsten schreibe ich, ohne vorher ein Konzept zu machen, einfach frei aus dem Kopf heraus.

 Haben Sie ein berufliches Vorbild? Gibt es ein Buch, das Sie in Ihrem Leben besonders beeinflusst hat?

Eigentlich nicht. Ich hatte schon mit 16 Jahren ca. 350 Kinder -und Jugendbücher, später habe ich dann die Bücher meiner Eltern verschlungen, vor allem Readers Digest und Konsalik. Sie können sich also vorstellen, dass es fast unmöglich ist, mich auf ein bestimmtes Buch festzulegen. Ich mag sehr viele Bücher, lege mich aber generell nie auf bestimmte Schriftsteller fest.

 Was ist das letzte Buch, das Sie gelesen haben? Welches Buch lesen Sie aktuell?

Das letzte Buch war „Das Herz des Bösen“ von Joy Fielding im Urlaub. Davor habe ich „ Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ gelesen, das hat mir sehr gut gefallen. Precht schreibt sehr vielseitig mit einem schönem Humor.

 Was war Ihr schönstes, lustigstes, außergewöhnlichstes Erlebnis in Ihrem Berufsleben?

Das war die erste Rückmeldung vom Verlag Lebensreise, als Frau Berger mich anschrieb mit dem Vorschlag, meinen Blog als Buch zu veröffentlichen. Von alleine wäre ich nie darauf gekommen und hätte mir das auch nicht zugetraut. Nach dieser Bestätigung bin ich tagelang wirklich geflogen (lacht).

 Ihr Buch ist beim Verlag Lebensreise erschienen. Was hat Sie davon überzeugt, dass dies der richtige Verlag für Sie ist? Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit unserem Verlag?

Mich hat vor allem überzeugt, dass der Verlag ernsthaftes Interesse an mir gezeigt hat. Ich habe mich vor meiner Entscheidung für Lebensreise dann noch einmal umgeschaut, aber es gab keinen Verlag, der so gut gepasst hätte. Die reine Kommunikation per E-Mail fand ich zunächst ein wenig unkonventionell, aber daran gewöhnt man sich schnell und es funktionierte ja auch prima.

 Wie war das bisherige Feedback zu Ihrem Buch? Sie schreiben ja über Themen, die in unserer Gesellschaft immer noch umstritten bzw. tabuisiert sind.

Ja, deswegen habe ich das Buch damals unter Pseudonym veröffentlicht und auch die Namen der Personen und Orte geändert. Nicht, weil ich nicht hinter dem stehe, was ich geschrieben habe, sondern um mich und mein Umfeld vor intoleranten Reaktionen zu schützen. Dass man völlig anonym bleiben kann, ist aber eine Illusion. Alleine meine private Lektorin und ca. 10-15 andere Personen wissen bereits, wer sich hinter Sarah Gold verbirgt.
Ich muss aber sagen, dass die Rückmeldungen tatsächlich überwiegend positiv waren. Abgesehen von einem Kommentar, in dem mir unterstellt wurde, ich wolle mit dem Leid eines anderen Menschen Geld verdienen. Ich vermute, diese Person hat mein Buch gar nicht gelesen. Als es darum ging, aus meinem Blog ein Buch zu machen, hörte ich von allen Seiten „Mach es!“, und danach wurde mir oft gesagt, dass mein Buch klasse geschrieben ist. Ich würde mir nur wünschen, dass ich mehr schriftliche Rezensionen bekommen würde.

 Dürfen wir uns auf ein weiteres Buch freuen?

Momentan sind tatsächlich zwei Themen für mich ganz aktuell, ich könnte mir gut vorstellen, dass daraus weitere Bücher entstehen. Zum einen geht es um ein Mädchen, das mir persönlich sehr nahesteht. Sie leidet an SMA (Spinale Muskelatrophie), die fortschreitend und unheilbar ist. Das wäre auch wieder ein Buch, das ich gerne bei Lebensreise veröffentlichen würde.Mein anderes Buchkonzept, das ich vor zwei Wochen begonnen habe, werde ich mit einem anderen Autor zusammen schreiben, es wird eine Mischung aus Autobiographie und Fachbuch werden. Vielleicht sogar zwei Bücher in einem, die den gleichen Zeitraum betrachten. Einmal eben aus der fachlichen Sicht und einmal aus meiner Sicht. Das ist ein spannendes Projekt, das eine große Herausforderung mit sich bringt. Aber es macht mir große Freude und ich bin gespannt, was er und ich daraus machen.

 Welchen Rat würden Sie neuen Autoren mit auf den Weg geben?

Mutiger sein! Ich selbst habe das Problem, dass ich kein Bühnenmensch bin, ich bleibe lieber hinter den Kulissen. Das ist an sich nichts Schlimmes, aber für die Vermarktung eines Buches eher nachteilig. Wenn man sein Buch erfolgreich vermarkten will, muss man die Initiative ergreifen, sich bei Buchhandlungen vorstellen, Lesungen halten. Dazu muss man den Mut finden, auf die Bühne und vor Publikum zu treten.