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12.03.15

Rabbinerin Barbara Aiello

The Cat That Ate the Cannoli

 

Rabbi Barbara Aiello ist Gründerin der B'nei Anusim Bewegung in Süditalien und Direktorin des italienisch jüdischen Kulturzentrums von Kalabrien (IjCCC), das italienischen Juden hilft, ihre jüdischen Wurzeln zu entdecken und zu pflegen. Außerdem ist sie Rabbinerin in der Synagoge Ner Tamid del Sud, der ersten aktiven Synagoge in Kalabrien seit der Zeit der Inquisition.

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 Rabbi Barbara, Ihr aktuelles Buch "The Cat That Ate the Cannoli" ist gerade im Verlag "Hadassa Word Press" erschienen. Wovon handelt das Buch und wem würden Sie die Lektüre empfehlen?

“The Cat That Ate the Cannoli” erzählt von meinen Erfahrungen, die ich machte, als ich in das süditalienische Dorf meiner Vorfahren zurückkehrte, um den Menschen dort zu helfen, ihre jüdischen Wurzeln zu entdecken. Die Geschichten, die alle wirklich passiert sind, sind Beispiele für den Mut und die Hartnäckigkeit der Süditaliener, deren großer Wunsch, ihre jüdischen Wurzeln zurückfordern, zu einer tiefen Verbundenheit mit ihrem Judentum geführt hat – eine Verbundenheit, die ihnen vor Jahrhunderten durch die Inquisition gestohlen worden war. Leser mit italienischen Wurzeln werden diese Geschichten mögen, da die jüdischen Rituale, die seit Jahrhunderten als "Familientraditionen" getarnt wurden, für viele ebenfalls eine spirituelle Bedeutung haben. Nicht nur Leser, die sich für die ungewöhnliche Gruppe der Juden in der Diaspora interessieren, werden diese speziellen Italiener besser verstehen, sondern für jeden, der die Schönheit Italiens und den Charme der Italiener zu schätzen weiß, wird “The Cat That Ate the Cannoli,” ein Aha-Erlebnis und eine herzerwärmende Lese-Erfahrung.

 Sie sind die erste weibliche und erste nicht-orthodoxe Rabbinerin Italiens. Sie sind offensichtlich eine Pionierin. Wie schwierig ist das für Sie? Gibt es oder gab es irgendwelche Widerstände gegen Sie?

Als die erste und bisher einzige weibliche und nicht-orthodoxe Rabbinerin Italiens war meine Arbeit hier immer beides, Freude und Herausforderung. Italienische Rabbis sind konservativ und männlich und deshalb haben mich die anderen Rabbis noch nicht als ihre Kollegin akzeptiert. Deshalb bin ich etwas isoliert. Aber ich werde immer wieder ermutigt von den Reaktionen meiner Gemeindemitglieder und den Reaktionen anderer Juden aus ganz Italien, die auf der Suche nach einem modernen jüdischen Leben sind, wo Männer und Frauen gleichberechtigt im Synagogendienst tätig sind und wo auch Homosexuelle und Regenbogen-Familien herzlich willkommen sind. Viele sagen, dass für Rabbinerinnen auf der ganzen Welt die unsichtbaren Barrieren, die eine Laufbahn als Rabbi verhindern, immer noch existieren. In Italien ist es besonders schwer, aber wie meine Tochter mich gern erinnert: “Mama, du hast dich dazu entschieden, eine Pionierin zu sein, die Schwierigenkeiten erhöhen sich mit der Vergrößerung des Hoheitsgebietes!”

 Wann wussten Sie, dass Sie Rabbinerin werden wollten? Und was war Ihr Traumberuf als Kind?

Bereits in jungen Jahren wollte ich Rabbinerin werden – schon in den 1950er Jahren, als es selbst bei den liberalen Juden noch keine weiblichen Rabbis gab. Ich startete meine berufliche Laufbahn als Lehrerin und Beraterin und ich habe außerdem ein Puppentheater für Kinder namens “The Kids on the Block” geschaffen und betrieben. Aber der Traum, Rabbinerin zu werden, starb niemals. Ich begann mein Rabbi-Seminar mit 47 Jahren und im Jahr 1999, mit 51 Jahren, wurde ich zur Rabbinerin geweiht. Ich war die älteste Studentin in meiner Klasse und meine Kommilitonen nannten mich "Rabbi Mama!"

 Gibt es ein Buch, das Sie in Ihrem Leben besonders beeinflusst hat?

"Blind Vision" von Vivian Jeanette Kaplan ist ein historisch-fiktionales Werk, das die dramatische Geschichte der Juden während der Inquisition in Spanien erzählt. Kaplans anschauliche Darstellung der Schrecken der Vertreibung und Inquisition verwebt zwei Leben miteinander, das Leben eines modernen jungen Mannes, der auf der Suche nach seinen jüdischen Wurzeln ist mit dem einer historischen Figur, die das selbe Seelenfeuer besitzt wie er.

 Was ist das letzte Buch, das Sie gelesen haben?

“The Iron Lady: Margaret Thatcher, from Grocer's Daughter to Prime Minister“ von John Campbell, “The Book Thief,” von Markus Zusak, “Guardian Angel,” von Melanie Phillips und “This Has Happened – An Italian Family in Auschwitz,” von Piera Sonnino.

 Welches Buch lesen Sie aktuell?

“Why the Germans? Why the Jews? Envy, Race Hatred, and the Prehistory of the Holocaust” von Gotz Aly.

 Was hat Sie überzeugt, dass Hadassa Word Press der richtige Verlag für Sie ist?

Hadassa Word Press ist auf der ganzen Welt als der Verlag für relevante jüdische Themen bekannt und respektiert. Es ist eine Ehre für meine Arbeit, dort publiziert worden zu sein.

 Werden Sie ein weiteres Buch schreiben? Vorausgesetzt Sie werden, worüber wird es handeln? Und könnten Sie sich vorstellen, auch dieses Buch mit uns zu publizieren?

Ja und ja. Ich habe vor, ein weiteres Buch über "pluralistisches Judentum" zu schreiben, das davon handelt, wie die pluralistische Bewegung eine Wiederbelebung der Synagoge bewirken kann. Dabei verwische ich absichtlich die konfessionellen Linien und betone die Gemeinsamkeiten, die uns als jüdische Familien vereinen.

 Welchen Rat möchten Sie jungen Menschen geben, die in der Diaspora leben und nach ihren jüdischen Wurzeln suchen?

Gebt nicht auf. Lasst Euch nicht von weniger herzlichen Synagogen und Rabbis abschrecken. Gebt einfach nicht auf. Es gibt Rabbis, Synagogen und jüdische Gemeinschaften, die bereit sind, die Hand auszustrecken und Euch willkommen zu heißen. Wenn Ihr tief in Eurem Herzen und in Eurer Seele spürt, dass Eure Familie einst jüdisch war, dann seid Ihr es wohl auch. Ich bin hier, um Euch zu helfen.